Die Mopeds sind fast wieder daheim!

Ein wenig Schrauberei ist dann wieder angesagt… ja.. das hab ich mir jetzt echt verdient 😎, ach… ich wollte schreiben, dass haben die treuen Zweiventiler nun echt verdient. Zum Glück musste ich unterwegs fast gar nicht Schrauben, jetzt freue ich mich wieder drauf 😉 die Mopeds mal genauer anzusehen und auch die neuen Umbauprojekte in Angriff zu nehmen…

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Nun hier noch mal eine Zusammenfassung, ok viel Text, aber wie soll man sich sonst ausdrücken…

Vorbereitung:
Welcher Papierkram war notwendig?
Haftplicht-Versicherungen für die Mopeds, die normale deutsche, bzw. europäische Versicherung reicht nicht; wir haben das bei Speiser gemacht, http://www.speiserseguros.com.ar, geht alles online … Kostenpunkt ca 90 Euro pro Fahrzeug, danke an Roby für die schnelle kompetente Abwicklung!

Generell ist es blöd einen Unfall zu haben, Carlos, einer unser Reisebekanntschaften in SA hatte einen, …er ist auf seinen Kosten sitzen geblieben, ein lokaler Bus hatte ihn abgedrängt. Moped, 1200er GSA war reparaturbedürftig, er war im KKH.. die Polizei war alles andere als hilfreich, weil eben Gringo. Nur durch seine Connextions zur Luxembourger Botschaft wurde ihm geholfen.. also generell Vorsicht, vor allem in den Städten!!

Krankenversicherung Ausland haben wir beim ADAC/Envivas abgeschlossen, ok, die gilt nur 60 Tage aber immerhin, kostet für Mitglieder knapp 30 Euro und beinhaltet auch etwaige Kosten für einen Rücktransport, anyhow, man muss die Kosten vor Ort sowieso auslegen, bekommt es aber erstattet.

Wir haben uns noch einen internationalen Führerschein und einen internationalenFahrzeugschein im Vorfeld beim Verkehrsamt/Zulassungsstelle besorgt, war absolut  notwendig bei Grenzübertritten, Kosten ca 30 Euro

Reisepass ist eh klar

Impfpass hatten wir nur als Papierkopie dabei

Die Wartungshandbücher der Mopeds hatte ich als PDF auf dem Handy, danke 2-Ventiler-Forum!!

Adressen von lokalen Händlern und Schraubern hatte ich als Excel dabei, vorher zusammengestellt über diverse Foren, z.B. http://www.horizonsunlimited.com oder anderen bekannten Reiseforen

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Wie haben wir die Mopeds versendet?

Motorrad Transport innerhalb Deutschlands hatte ich mit meiner vertrauten Spedition, http://www.diemotorradspedition.de erledigt. Die sind günstig, schnell und zuverlässig!!  Kosten 159 Euro innerhalb Deutschland.

Der Seetransport wurde über http://www.intime-ham.com/motorradspedition-hamburg.html, Olaf Kleinknecht organisiert, kann ich nur empfehlen … unbürokratisch und immer ansprechbar!

Dauert ca 4-5 Wochen Hamburg (bzw. Winsen/Luhe) bis Chile, Valparaiso, man muss da nix zerlegen oder einpacken, nur Benzin auf Minimum und die Batterien abklemmen, fertig. Erlaubte Breite 90cm Breite reicht in der Regel auch aus, mit Koffer und Gepäck draufgeschnallt. Ansonsten wirds teurer -> Kosten waren ca 1800 Euro pro Fahrzeug (hin/rück)

Das Positive, man kann seine Moped-Klamotten, Helm etc am Moped in einen Sack, Koffer etc packen und das alles Mitversenden, ist alles sicher! … Angenehm, dann reist man mit wenig Gepäck im Flugzeug an!

Am Zielpunkt ist ein Frachtagent, der alles schriftliche vor Ort regelt.

Das Abholen/Abgeben in Valparaiso mit Zoll, Notar, Zolllager war durchaus kompliziert, weil man und, auch die Verantwortlichen, die Abläufe nicht immer kennen, spanisch sprechen war schon sehr hilfreich gewesen.

Unsere Grenzübertritte vor Ort waren eigentlich alle durchweg unproblematisch, ok man ist nicht in Europa, aber alles war soweit ok. Die Polizei vor Ort ist uns immer freundlich begegnet, wir hatten nie Probleme…Die Papiere müssen halt stimmen und vollständig sein, Vorsicht bei Offroad-Grenzübertritten ohne Zoll und Grenzkontrolle, idealerweise vermeiden 🙂 Man muss unbedingt zum Zoll!!! Hatten wir beim „entry nach Argentinien“

Viele Menschen grüßen Dich … auch aus dem Auto/LKW heraus kam ein Mopedfahrer-Gruß, denke die haben alle das Buch von Che Guevara gelesen, ==> alles sehr nett!

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Mopeds, Gepäck und Ersatzteile

Was haben wir mitgenommen?

Da ich der Schrauber bin, war ich generell für die Mopeds technisch verantwortlich, Uwe hat sich mehr um Route und Gesamtorganisation gekümmert.

Uwe war mit einer 96er Mystik unterwegs, ich hatte meine 82er G/S

Die Mystik habe ich zur GS umgebaut (ja ok, aber Uwe wollte es so), also GS Gabel, 21″ VoRa, GS Heckrahmen (linker obiger Halter angepasst, da Mystik Hauptrahmen) und Sitzbank plus Lammfell!, als extra noch einen ollen HPN Tank, Kabuco Benzinfilter und Koffersatz H&B Gobi mit Träger, den Auspuff der R100R geschält und fertig war das ReiseKrad. Koffersatz von Hepco & Becker Gobi, wegen dem Flüssigkeitsreservoir.

Die Koffer haben sich als zu klein und nicht ideal herausgestellt, die mögen in Europa gut sein, aber bei der Rappelei im Outback nicht. Den Träger mussten wir schweissen lassen, die Verschlüsse der Gobi waren irgendwann durch) Also die Gepäckunterbringung war bei Uwe in der Kombi Gobis mit der dicken Ortlieb Rolle und seinem Motodetail Rucksack nicht ideal. Na vielleicht sind die Gobis im Gelände auch mit dem Flüssigkeitsvolumen (3 Liter je Seite) und dem Gewicht und der Rappelei überfordert.

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Die R80G/S hatte ich schon vor einiger Zeit (2012) mit einer GS Gabel und umgespeichtem G/S VoRa (Excel), PD Tank und Cockpit sowie nem Öhlins Federbein und tiefem geschälten R100R Auspuff und Y-Rohr komplett neu aufgebaut…

Die Elektrik ist auch umgebaut, den Kabelbaum hatte ich selbst gefertigt und alles hing an der Sicherungsbox von SH und wurde von einer SH LiMa befeuert, alles wunderbar in Kombi mit der Hawker Odysee PC680 Batterie (auch bei Minusgraden auf 4600m Höhe – max minus war -16 nachts am Lago Chungara), Ladespannung ab 2000 Touren bei 14 Volt.

Motor 1000er Doppelzünder etwas höher verdichtet, 40er Gaser, … im Flachland daheim geht der richtig gut, aber für die Reise war das ein Fehler, weil das Biest sich immer gerne mind. 6 Liter nahm, im Gegensatz zu Uwe, der nie mehr als 5 Liter brauchte, bei 11 Liter mehr Tankvolumen, ok … er war meine rollende Tankstelle (haben wir dreimal benötigt, weil das Tankstellennetz doch fürn Boppes war und man wirklich kalkulieren musste),.

Das G/S Biest war einfach zu fett eingestellt und ich war zu faul die Gaser aufzumachen und die Düsennadel umzuhängen… hat auch so geklappt… auch wenn wir bei 5000m schieben mussten… Tag 12..

Gepäcklösung an der G/S waren stabile, verstärkte TT Träger und RMS Koffer (danke Roger und Kevin), das war eine sichere und elegante Lösung und in der Kombi mit ner kleinen Enduristan Rolle ideal.

Obwohl ich die nächste Tour mit Weichtaschen von Enduristan o.ä. machen würde. Ich fahre Weichtaschen  auch wenn ich in Europa Touren mache, dachte nur Koffer seien stabiler und Diebstahlsicherer, ach was,… Weichtaschen verformen beim Sturz, wenn man viel Fuseln muss (z.B. im Weichsand) sind Taschen einfach nicht so Gefährlich (Fussverletzungen), das ist aber letztlich Geschmacksache.

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Ersatzteile:

LiMa Rotor, Regler, Diodenplatte (für Uwe), Hallgeber, Heavy Duty Schläuche 17″, 18″ & 21″, Schrauben und Muttern, jede Menge Panduit Kabelbinder (die verwenden wir am Flugzeug auch, ach ja ich bin gelernter Flugzeugmechaniker/Prüfer), dann hatte ich noch ein paar Dichtung für den Motor und Gabelsimmeringe sowie Gaszüge und nen Kupplungszug dabei. Bis auf ein paar Schrauben, Muttern und Kabelbinder haben wir NICHTS benötigt!!! 🙂

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Werkzeug:

Standard Werkzeugsatz plus kl. Ratsche/Nüsse, lange Montier-Eisen für Reifenreparatur, Twinmax, Gummihammer (der hat sich bewährt!, auch für Zelt Häringe), Gods Golden Fluid – WD40 (meist gebraucht – damit wurden die meisten kleinen Defekte egalisiert! :-)), dann noch Handwaschpaste, Kompressor (12V)  und Duct Tape.. Flickzeug… & Flüssigmetall

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Defekte/Verluste:

Uwe hat die hintere Fußraste und einige Bolzen des Kofferträgers verloren, seine Batterie mussten wir in Mendoza austauschen (mein Fehler, hätte ich vorher machen können!, also Batterie immer NEU und dann los), sein Tacho hat gesponnen und der Zeiger ist irgendwann abgebrochen 😉

G/S – ja!!!! das ist m. E. das ideal Gefährt in der Kombi mit der GS Gabel, meine Defekte waren lediglich der Ausfall des Blinkerschalters (rastet nicht mehr), einmal der Neutralschalter (WD40 und gut), einmal das Hauptstromkabel mit Wackler an der SH Box (WD40 und gut), ….

… gut den Blinker vorn Rechts und die heavy Duty Sturzbügel habe ich selbst beim Sturz zerstört….

…wir hatten nicht einen Platten und die Heidenau K60 bzw. K60 Scout sind immer noch gut für 1500 km… das nach 12300km Schotter und Gehoppel… Wahnsinn, was die Reifen ausgehalten haben!!!

.. wir haben die Mopeds nicht geputzt, entweder ist der Dreck abgefallen oder wurde abgespült, ausser dem einen Ölwechsel, zweimal LuFi ausschütteln und der Kontrolle der Verschraubungen und schmieren der Züge habe ich nichts gemacht, ok regelmässig Ölstandkontrolle, aber das ist für nen Zweiventilfahrer selbstverständlich, selbst die Luft in den Reifen haben wir nie aufgefüllt, mangels vernünftiger gewinkelter Auffülladapter,… der Daumencheck musste reichen, hat auch… wollte immer mal das Ventilspiel checken, mache ich daheim alle 5000km, aber das WHB sacht 15000km ….. also ist es ausgefallen!

Tolle Moppeds!!!!

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Kosten

wir haben für die knapp 11 Wochen einen überschaubaren Betrag ausgegeben und wir haben vor Ort nicht gespart und es uns gut gehen lassen..

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Sicherheit/Gesundheit

Wir haben uns nicht mit all den vorgeschrieben Impfungen belastet, lediglich die Tetanus wurde aufgefrischt.

Wir hatten nie das Gefühl der echten Unsicherheit, einmal hatten wir eine Situation an einer Tankstelle, aber die haben wir schnell verlassen. Man muss einfach aufpassen und seinem Bauch vertrauen, wer in der Fremde reist ist sowieso wach und hält die Augen offen.

Wir hatten uns ein Medical-Notkit in der Apotheke zusammenstellen lassen, wir haben zum Glück nichts davon gebraucht!

Dank Lammfell tat nicht einmal der Arsch weh und auch nach 8 Stunden im Sattel war ich glücklich, und das über Wochen… ok, ne kleine leichte Hardenduro hätte ich mir manchmal gewünscht, aber ich liebe einfach die G-Strich… (hab ja auch drei davon)… wir haben unterwegs sonst nur das Moderne Zeug gesehen, einen Schweizer R100GS Fahrer hab ich natürlich herzlich begrüßt 🙂

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Gepäck hatten wir..

ich 23kg, Uwe 26kg dabei…

Da kann man immer optimieren, ich würde zB meine große Kamera daheim lassen, Uwe hatte auch eine Kamera mit und mein iPhone SE hat schöne Bilder gemacht… der ganze Blog ist so entstanden…. ok, die Fahrtsequenzen sind laut und wackelig, da wäre noch Potenzial mit ner GoPro etc…

Eine gute Kamera immer dabei haben, am besten mit Objektiv 35-200/300, Die Bilder danach sind das Gewicht wert..

… und eine Unterhose kurz und eine lang reicht, weniger ist hier mehr!

Ich denke die meisten Fernreisenden haben zu viel Gepäck dabei..

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Schlussgedanken:

… keine Straße ist zu schwierig  wenn man in guter Gesellschaft ist (1000 Dank an meinen Kumpel Uwe, allein hätte ich mir so etwas nicht zugetraut), obwohl das bestimmt auch seinen Reiz hat, aber zu zweit ist besser als allein

…. die Welt ist voller verrückter, aber interessanter Menschen

… die Routa 40 im Norden von Argentinien bis Mendoza und die Caretera Austral sind definitiv eine Reise wert

… nicht mehr als 250km pro Tag einplanen

…2 Sonnenbrillen und für Brillenträger auch ne Ersatzbrille

… zu viele Kabelbinder kann man gar nicht dabei haben

… grosses Kochgeschirr daheim lassen

… USB Ladestecker ist super, und immer 2 mitnehmen!!! (Uwe hat zwei verdaddelt)

… Geldkarten bzw. Kreditkarten (Visa, Mastercard) in jedem Fall 2, besser sind 3

… US Dollar oder Euro als Backup sind auch nicht schlecht

… Dicke Bücher mitnehmen braucht man nicht, man kommt eh nicht zum Lesen

… GPS mit guten Karten sind wichtig; Papierkarten als Backup und zur Übersicht evtl. vor Ort kaufen

… Helm Intercom ist ein Muss (wir hatten INTERPHONE OFF ROAD – war klasse)

…. Griffheizung mit Protektor ersetzt Winter- und Regenhandschuhe

…. Generell waren die ersten 4 Wochen in Norden die Interessanteren, weil viel einsamer und fahrerisch fordernder

… der Süden von Chile & Argentinien vor allem Patagonien hat viele Highlights, aber auch  viel windige Strecke dazwischen

…. jede noch so schöne Asphaltstraße kann plötzlich in Sandpiste enden und andersrum

…. jede noch so beschissene Strasse hat ein Ende

… es gibt überall Menschen die hilfsbereit, freundlich und neugierig sind, diese Begegnungen sind vielleicht die echt Wertvollen!

…. Zweiventiler Beemer sind weltweit immer ne Schau und werden bestaunt, besonders wenn die Fahrer nicht mehr jugendlich sind 🙂

… Sprit aus Flaschen hatten oft schlechte Qualität. Öl der richtigen Sorte bekommt man auch nicht immer.

… Wind in der Pampa ist echt nervig (Reiner … ja stimmt Du hattest recht), wenn das noch Schotterpiste ist, muss man das schon mögen…

… Agoraphobie, das Gegenteil von Platzangst kann einen Mitteleuropäer leicht erwischen.. in der Weite fühlt man sich echt klein und reduziert, neue Erfahrung für mich! … obwohl ich beruflich schon fast die ganze Welt bereist habe, war das Gefühl in der Weite Südamerikas manchmal befremdlich.. ist wohl auch Sache der Gewohnheit!

…. manchmal muss man auch Umkehren können

…. die Landessprache zu sprechen ist von Vorteil, Uwe konnte … danke

…ein 200kg Moped in einer Höhe ab >4000m aufheben oder schieben ist Schwerstarbeit

…. Fernreisen mit Moped machen schlank, hab 5kg in 10 Wochen abgenommen.. wenn ich also 1/2 Jahr wegfahre hab ich mein Idealgewicht 😉

…. ein intakte Familie hält auch Trennung für drei Monate aus

…. eine lange Reise ist gut um den Kopf aufräumen (ich hab danach meine alten Job gekündigt – neuer war in Sicht)

…. das Leben ist kurz um nur auf der Couch zu liegen

…. wer seine Geschichte teilen will, ist mit wordpress gut und einfach bedient

… eine lange Reise verändert einen ein bisschen…..

…. eine Reise mit Schotter macht aus Dir noch lange keinen Enduro Fahrer… 🙃

…. man darf auch mal stinken, die nächste Dusche kommt bestimmt 🙂

Das sind meine persönlichen Gedanken,  wir sind alle Individuen und Leben in unser eigenen Welt!

Wir sind mit dieser Reise weit hinter den echten Harcore Reisenden mit Fahrrad, die sowas viele Monate oder gar Jahre machen …. oder auch den allein reisenden Long-Route Motorrad Enthusiasten, die ihre Träume echt ausleben und umsetzen, Respekt! Wir haben einige von denen kennenlernen dürfen WOW…!!!

 

Wenn noch Fragen offen sind, meldet Euch (interface4u@web.de) oder kommt auf ein Benzintalk vorbei…

hasta la vista

Stefan

 

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